Rezension: Annähernd Alex

 

 

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Annähernd Alex

Jenn Bennett

Königskinder Verlag

erschiene 092016

ca. 480 Seiten

 

 

 

 

 

„Ich habe mir gewünscht, dass Du es bist

Ich habe mir so gewünscht, dass Du es bist!“

Meg Ryan, E-M@il für Dich (1998)

 

Bailey bezeichnet sich selbst gerne als Artful Dodger – sie bleibt lieber im Hintergrund und ergreift schnell die Flucht, wenn es zu persönlich wird. Nur ihrer Onlinebekanntschaft Alex gegenüber kann sie offen sein, er teilt ihre Leidenschaft für alte Filme und wohnt zum Glück auf der anderen Seite des Kontinents. Sie kennen nicht mal ihre richtigen Namen. Dann aber zieht Bailey zu ihrem Vater nach Kalifornien, in die gleiche Stadt, in der auch Alex lebt. Was nun? Seinem Online-Schwarm im echten Leben zu begegnen kann böse Überraschungen bereit halten. Also erzählt  Bailey Alex erst einmal nichts von ihrem Umzug. Und auch nicht von ihrem nervigen Ferienjob, bei dem sie den Aufschneider Porter kennen lernt, bei dem nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Und während sie immer noch versucht, heimlich Alex‘ wahre Identität aufzudecken und Porter immer näher kommt, wird die Sache richtig kompliziert…

Ich hatte richtig Freude an diesem süßen Buch. Die ganze Atmosphäre ist heiter sommerlich, hat aber auch ihre tiefgründigen Seiten, die zum Nachdenken anregen.  Der kalifornische Küstenort wirkt wie eine Filmkulisse, ist bevölkert von Touristen und Surfern, hat aber auch das Flair alter Zeiten.

Die vielen Bezüge zu und Zitate aus alten Hollywoodfilmen machen Lust darauf, diese für sich selbst zu entdecken.

Bailey selbst sieht sich als jemanden, der lieber im Hintergrund bleibt und sich im Zweifelsfalle schnell zurückzieht, bevor Probleme entstehen. Sie zieht von ihrer Mutter, die sich mit ihrem neuen Ehemann nur noch streitet, zu ihrem Vater. Es wird schnell klar, dass dieser kleinen Familie etwas zugestoßen sein muss, dass sie an ihre Grenzen gebracht hat. Ich fand es sehr berührend, als ihr Vater gegen Ende des Buches zu Bailey sagt, dass er der festen Überzeugung sei, dass sie über diese Sache hinwegkomme, ihre Mutter aber vielleicht nie.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir in diesem Buch miterleben dürfen, wie Menschen mit krassen Schicksalsschlägen umgehen, dass Vermeidungsstrategien irgendwann nicht mehr funktionieren und man sich seinen Ängsten stellen muss. Auch, dass menschliche Beziehung gegenseitiges Vertrauen brauchen und das emotionale Gefüge schnell gefährdet sein kann.

Porter wirkt zu Beginn sehr großspurig und angeberisch, geradezu unsympathisch, aber man erkennt auch schon, dass dieses Verhalten eher eine Maske ist und er in Wirklichkeit witzig und fürsorglich sein kann. Er liebt PsychoTests und treibt seine Umgebung gerne in den Wahnsinn. Ihm muss man Kontra geben, dann ist er zufrieden. Zwischen ihm und Bailey entwickelt sich eine zarte Beziehung, die anfangs sehr zerbrechlich ist, aber die beiden merken bald, dass sie nicht nur vortrefflich streiten können, sondern auch einige Gemeinsamkeiten haben und einander perfekt ergänzen.

Die Nebencharaktere sind ebenfalls sehr gut ausgearbeitet, auch wenn ich gerne noch mehr von Porters Familie und Grace gehabt hätte. Gerade der Konflikt mit seinem ehemals besten Freund zeigt, wie zerbrechlich familiäre Gefüge sein können und wie schmerzlich es ist, wenn ein Freund nicht mit einem Schicksalsschlag zurecht kommt und daraufhin seine Zukunft riskiert.

Die Sprache ist angenehm zu lesen, die Gefühle der Figuren werden gut transportiert. Die Geschichte wird aus Baileys Perspektive erzählt, sodass man einen schönen Einblick in ihre Psyche bekommt. Zwischen den Kapiteln sind immer kurze Chatverläufe zwischen Mink (Bailey) und Alex eingestreut.

Das Ende ist sicher ein kleines bisschen klischeehaft, hat mich aber nicht gestört. Man wünscht sich doch ein Happy End! Es hätte vielleicht ein bisschen ausführlicher ausfallen können, aber ich will mich nicht groß beschweren. Mir hat dieses Buch wirklich etwas geben können, es war emotional bewegend und hat mir ein paar wirklich schöne Lesestunden beschert.  Ich glaube, jetzt lege ich erst einmal E-M@il für Dich ein!

Mein Dank gilt dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares für die LB-Leserunde!

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