Rezension: Die Spionin

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Die Spionin

Paulo Coelho

Diogenes

erschienen 11/2016

ca. 192 Seiten

 

 

 

»Mein einziges Verbrechen war, eine unabhängige Frau zu sein.«
Mata Hari in Die Spionin

 
Mata Hari gehört wohl zu den schillernsten und außergewöhnlichsten Frauen des frühen 20. Jahrhunderts. Bis auf wenige Fotos kannte ich vor der Lektüre dieses Buches aber kaum etwas von ihrem Lebensweg. Geboren als Margarethe Zelle in der holländischen Provinz führte sie ihr kurzes Leben in vieler Herren Länder, ihre unglückliche Ehe aber zuerst nach Java, wo sie der Ausdruckskraft der einheimischen Tänze erlag. Wieder in Europa entfloh sie ihrer Ehe nach Paris, wo sie eine außergewöhnliche und bisher so nicht dagewesene Karriere als exotisch-erotische Tänzerin begann. Bewundert und verachtet erlebte sie Höhenflüge und Tiefschläge, bis sie im Ersten Weltkrieg der Spionage angeklagtund zum Tode verurteilt wurde.

 
Paulo Coelhos neuester Roman besteht neben geschichtlichen Quellen aus dem fiktiven letzten Brief der Mata Hari, die in der Woche vor ihrer Hinrichtung ihren Lebensweg reflektiert. Man erfährt von ihrer schrecklichen Ehe, lernt ihren unbedingten Willen zum Erfolg und ihre Rücksichtlosigkeit kennen. Durch die Briefform erhält der Leser direkten Zugang zu den Emotionen Mata Haris, wird intensiv eingebunden.

 
Die Sprache ist einfach gehalten und enthält viele Bilder. Das Buch lässt sich dadurch sehr schnell und ihne Pausen lesen. Mich hat aber die ständige Betonung der Gefährlichkeit der Liebe genervt, die Mata Hari angeblich letzten Endes zu Fall gebracht habe, aber kaum thematisiert wird. Diese Passagen waren teils schrecklich schwülstig und belehrend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser fiktive Brief auch nur annähernd an das herankommt, was diese Frau empfunden haben mag. Mir kam es zeitweise so vor, als sei ihr Leben und dieses Buch nur das Gefäß, damit der Autor seine Ergüsse los werden kann. Dies ist nicht mein erster Coelho, aber ich überlege ernsthaft, ob ich noch weitere seiner Romane lesen soll, denn die letzten fand ich alle nicht wirklich überragend oder lesenswert. Dafür ist mir meine Zeit doch zu kostbar.

 
Was das Buch aber in mir hinterlässt, ist das ehrliche Interesse an der Person hinter der Kunstfigur Mata Hari, die zu ihrer Zeit ein Phänomen war und wie viele Frauen ihrer Zeit, die frei und unabhängig waren, von anderen Frauen beneidet und verachtet und am Ende von Männern mithilfe vorgeschobener Anschuldigungenzu Tode verurteilt wurde.

Ich danke vorablesen und dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

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