Rezension: Kindsräuber

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Kindsräuber

Nora Bendzko

sp

erschienen 03/2017

ca. 321 Seiten

 

 

 

 

Prag zu Zeiten des 30-jährigen Krieges: Die junge Alene ist eine Geisterseherin und so erblickt sie auch als erstes den Geist des toten Jungen Rumpelstilzchen, der die Stadt heimsucht. Wo er auftaucht, verschwinden Kinder. Ein Jahr später lebt auch Alene in Angst vor dem Geisterjungen, denn sie ist schwanger. Genau in diesem Augenblick tritt Patrik, ein Jugendfreund, wieder in ihr Leben. Er ist inzwischen ein Bote des Königs und soll Alene zu diesem führen. Was haben die Mächtigen des Reiches mit ihr vor und wie soll sie der Prophezeiung Rumpelstilzchens entgehen, der ihren Tod in drei Tagen vorhersagt?

„Kindsräuber“ ist Teil der Galgenmärchen, einer im Selfpublishing erschienen Reihe, die Kurzgeschichten, Novellen und Romane umfassen wird, die alle vor der Kulisse des 30-jährigen Krieges in Europa spielen und dunkelfantastische Thriller-Adaptionen der Grimm’schen Volksmärchen sind.

Dieses Galgenmärchen beschäftigt sich mit Rumpelstilzchen und ist eine Geistergeschichte, die mit einer düsteren Atmosphäre und packender Story zu begeistern vermag. Doch neben all dem Grauen bekommt man auch eine Liebesgeschichte geboten, die einen Lichtblick in der Finsternis dieses dunklen Abschnittes der europäischen Geschichte bildet.

Alene ist ein junges, taffes Mädchen, die Not und Verzweiflung kennt und seit ihrer Geburt schwer an ihrer Gabe zu tragen hat: Sie sieht die Geister der Toten. Zusammen mit ihrem greisen Vater – einem ehemaligen Müller – kämpft sie sich durchs Leben. Ihr Mut und ihre Liebe zum Vater machen sie zu einer starken Frau, die nicht aufgibt und auch mal ein sehr loses Mundwerk hat.

Patrik ist ein Jugendfreund, der ihr nach vielen Jahren wieder begegnet und inzwischen ein Bote des Königs ist. Er ist ebenfalls eine vielschichtige Persönlichkeit und besonders seine Hingabe für die schwangere Alene, die nach damaligen Ansichten ein gefallenes Mädchen ist, nimmt mich für ihn ein.

Rumpelstilzchen als Geist eines toten Jungen, der Unheil verkündet, ist eine gruselige Vorstellung. Seine Darstellung hat mir sehr gut gefallen, auch die Auflösung, zu der ich hier, ohne zu spoilern, nichts weiter sagen kann. Die Bedeutung und Macht eines Namens kommen wieder zum Tragen.

Besonders an dieser Geschichte ist die bedrohliche Kulisse des Kriegs, der große Teile Europas in ein Flammenmeer verwandelt hat. Der Fall Prags droht, immer mehr Menschen suchen Zuflucht hinter den Stadtmauern, Angst und Paranoia greifen um sich und wecken die grausamsten Triebe in den verzweifelten Menschen.

Wer solch düstere, fast apokalyptisch anmutende Geschichten mag, wird seine wahre Freude am „Kindsräuber“ haben.

4,5/5 Sternen 😀

 

Ich danke Nora Bedzko für das Rezensonsexemplar!

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