Rezension: Léon&Claire

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Léon & Claire – Er trat aus den Schatten

Ulrike Schweikert

cbt

erschienen 12/2016

ca. 480 Seiten

 

 

Die 15-jährige Claire zieht mit ihren Eltern nach Paris, als ihrer Mutter ein Job im berühmten Louvre angeboten wird. Claire verliebt sich schnell in die wunderschöne und geschichtsträchtige Stadt und wird in der Schule umworben. Doch Paris hat auch eine dunkle Seite, deren Bekanntschaft sie alsbald macht. In den Katakomben unter Paris leben selbsternannte Kämpfer der Schatten mit magischen Fähigkeiten. Einer von ihnen ist Léon, der Claire bei einer Razzia von einer Untergrundparty wieder sicher an die Oberfläche bringt. Léon ist so anders als der attraktive Adrian, der Claire bedrängt. Bei ihm fühlt sie sich sicher, doch Léon hat vor langer Zeit einer dunklen Macht die Treue geschworen und schon bald werden die beiden Liebenden zum Spielball dieser gefährlichen Mächte.

„Léon & Claire – Er trat aus den Schatten“ ist der Auftakt eines neuen Fantasy-Zweiteilers von Ulrike Schweikert, die man bei cbt vor allem wegen ihrer Vampir-Reihe „Die Erben der Nacht“ kennt und der den Leser in das wunderschöne Paris mit seinen unbekannten dunklen Seiten entführt. Ich habe bisher eigentlich nur sehr negative Kritiken gelesen zu diesem Jugendfantasyroman gelesen, was ich nach der Lektüre so nicht in allen Teilen nachvollziehen kann.

Aber erst mal möchte ich zu den Protagonisten kommen: Claire ist eine junge Schülerin, die eine Französin zur Mutter hat und deswegen auch ohne größere Probleme mit dem französischen Schulsystem zurechtkommt. Ihre sortierte und strukturierte Art hilft ihr dabei, sodass sie eine der Jüngsten ihrer Jahrgangsstufe ist und trotzdem den Stoff bewältigen kann. Man merkt ihr zwar das junge Alter oft an und auch die Unerfahrenheit im Umgang mit den älteren Jungs, aber trotz ihrer zurückhaltenden Art weiß sie sich auch mal zu behaupten.

Léon bleibt bis zum Schluss eher geheimnisvoll. Er hat vor langer Zeit einer düsteren Macht die Treue geschworen, wird aber meist nicht behelligt und lebt ein ansonsten recht eigenbestimmtes Leben in den Katakomben von Paris. Als sein Meister, der Schatten, ihn aber auf Claire ansetzt und er Dinge zu soll, die sie als Unschuldige in Gefahr bringen, erwacht sein Widerstandsgeist. Als Figur ist er sehr geheimnisumwoben, steht aber treu zu seinen Freunden und versucht alles in seiner Macht stehende, um Unschuldige zu schützen und für Schwächere einzutreten.

Die Nebenfiguren mochte ich teils sehr gerne, vor allem Marcell und Jannine, die ebenfalls unter dem Einfluss des Schattens stehen. Adrian, der Sohn eines hochrangigen Polizeibeamten in Paris, versucht erst Claire für sich zu gewinnen, ist aber ein sehr oberflächlicher und rachsüchtiger Geselle, der Zurückweisungen nicht mit seinem Stolz vereinbaren kann und dadurch zu einem erstzunehmenden Feind wird. Seine Charakterentwicklung zum Gegner, dem man nicht vertrauen kann, fand ich sehr schön dargestellt.

Die Liebesgeschichte ist nicht so sehr im Vordergrund, wie man es vielleicht erwartet, was ich aber durchaus gut finde. So bleibt mehr Zeit für die Atmosphäre eines Paris‘, wie ich es noch nicht kannte – und für die Kunst und Geschichte dieser Stadt. Allein dafür hat es sich gelohnt, dieses Buch zu lesen. Die düstere Tunnellandschaft unter den Straßen, eine geheimnisvolle Diebesbande, die berühmte Kunstschätze stiehlt und diese in den Katakomben versteckt, das berühmte Louvre … das alles war ungemein faszinierend und hat einen ganz eigenen Flair erschaffen.

Der Sprachstil war angenehm, auch wenn man durch ihn nicht so viel Zugang zu den Figuren hatte. Ihr tieferes Seelenleben bleibt verborgen.

Das Fantasyelement hat mir gefallen. Der ewige Kampf von Schatten und Licht, die hier beide nicht wirklich gut zu sein scheinen, ist klassisch. Viele Fragen bleiben aber unbeantwortet und werden vertagt. Zu einem richtigen Showdown muss es im Finale der Dilogie kommen. Ich bin gespannt, ob das Cover dann zu dem sehr ansehnlichen dieses Teils passen wird.

Insgesamt betrachtet hat mich die Geschichte sehr gut unterhalten, nie gelangweilt und streckenweise doch wegen des ungewöhnlichen Handlungsortes fasziniert. Von der Handlung her gibt es keine großen Überraschungen, aber sie ist jetzt auch nicht wesentlich schlechter, als andere Bücher für die Zielgruppe.

Wenn man der Geschichte eine Chance geben möchte, empfehle ich, einfach mal in die Leseprobe reinzuschauen. Und wenn man auch gerne mal eine ruhigere Geschichte mag, kann man zu diesem hübschen Jugendroman greifen.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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