Rezension: Und damit fing es an

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Und damit fing es an

Rose Tremain

Insel Verlag

ca. 330 Seiten

erschienen 08/2016

 

 

 

 

„Es gibt da diese Straße, Gustav. Das weißt du doch. Und genau diese Straße müssen wir nehmen. Wir müssen die Menschen werden, die wir schon immer hätten sein sollen.“

 
Gustav Perle ist ein zurückhaltender, stiller, beherrschter Junge aus einfachen Verhältnissen. Seine verwitwete Mutter bringt die kleine Familie nur mit Mühe und Not durch, harte Arbeit ist alles, was sie kann und die Liebe für ihren Sohn bleibt da auf der Strecke. Doch Gustavs Leben ändert sich, als die jüdische Familie Zwiebel nach Matzlingen zieht und mit ihnen deren Sohn Anton. Zwischen den beiden entspinnt sich eine tiefe, Jahrzehnte andauernde Freundschaft. Als Anton spät in seinem Leben doch noch die Chance erhält, ein berühmter Pianist zu werden und in eine andere Stadt zieht, erkennt Gustav die Einsamkeit und Belanglosigkeit seines Lebens und das er eigentlich nur einen einzigen Menschen an seiner Seite braucht, um das Glück zu finden.

 

„Und damit fing es an“ erzählt die Geschichte einer ungleichen, über lange Strecken auch einseitig aufrecht erhaltenen Freundschaft und Liebe, die ihren Anfang in der Kindheit während der Nachkriegszeit nahm. Aber nicht nur das: Es wird auch ein ziemlich dunkles Kapitel der schweizerischen Geschichte offenbart. Um nicht die ungewollte Aufmerksamkeit Nazideutschlands auf sich zu ziehen, untersagte man ab einem Stichtag allen Schutz suchenden Juden aus dem umliegenden Ausland die Einreise und schickte sie zurück – meist in den Tod. Schuld und Scham, das Entsetzen über die Greultaten des Krieges, aber auch die kleinen Untaten und schmutzigen Geheimnisse des Alltags werden thematisiert und offengelegt. Was mich berührt hat, ist, dass es Rose Tremain gelingt die gesamte Breite des Zwischenmenschlichen, die Unfähigkeit zur Liebe und den Egoismus ihrer Figuren bis ins Detail und unverblümt darzustellen. Sie entblößt ihre Charaktere vor dem Leser, macht ihn in seiner Unvollkommenheit transparent und dadurch unheimlich menschlich.

 
Der Roman ist in drei Teile unterteilt: Gustavs Kindheit, die Geschichte seiner Eltern bis zum Tod des Vaters kurz nach Gustavs Geburt und den Ereignissen um und nach Antons Weggang, als die beiden Männer schon über fünfzig Jahre sind.
Sprachlich ausgefeilt bewegt dieser Roman den Leser, weil er zeigt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauern kann, bis man sein Glück findet und das es sich lohnt, so lange zu warten. Und es ist sehr tröstlich am Ende zu sehen, dass Gustav und Anton nach sechzig Jahren endlich die geworden sind, die sie immer hätten sein sollen.
Ein herausragender Roman und eine große Leseempfehlung für den Liebhaber leiser Geschichten.

 

Vielen Dank an den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar!

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