Rezension: Zwischen zwei Fenstern

 

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Bei dem rezensierten Buch handelt es sich um ein von mir selbst erworbenes Exemplar.

 

 

 

Zwischen zwei Fenstern

Dianne Touchell

Könisgkinder Verlag

256 Seiten

(c) Königskinder Verlag

 

 

Er liebt das Nachbarmädchen mit dem tizianroten Haar und dem Leberfleck am Bein. Er sieht hinüber in ihr Zimmer, wo sie sitzt und zeichnet. Sie hat die verstörende Gewohnheit, sich die Haare auszureißen.
Sie beobachtet den Nachbarjungen, der sich beim Lesen unaufhörlich Notizen macht. Hinter dem Glas seines Fensters scheint er sich am sichersten zu fühlen. Genau wie sie.
Wie zwei Gefangene hängen sie für den anderen Botschaften ins Fenster. Am liebsten in fünf Silben, weil das schön klingt. Als sie irgendwann lächelt, ist das für ihn, als würde in einem verlassenen Haus das Licht wieder angehen. Und beide wissen: Sie werden es besser machen.

 

Eine Geschichte über zwei Fenster und den Raum dazwischen – die kleinen Ein- und Ausblicke, die wir anderen Menschen gewähren, ob nun gewollt oder nicht.

„Zwischen zwei Fenstern“ handelt von zwei Außenseitern: Der eine ist ein typischer Nerd, der alles um sich herum analysiert, seine eigene Familie seziert und mit dem Fernglas das Mädchen von nebenan beobachtet. Die andere ist ein versehrter Charakter mit Zwangsstörungen und einem mangelhaften Selbstbild. Beide kommen aus „normalen“ Mittelstandfamilien mit nach außen hin funktionierender Fassade, hinter der es aber gewaltig bröckelt.

Die Autorin schafft es auf den wenigen Seiten einen kleinen Mikrokosmos zu entwerfen, der doch die elementaren Fragen aufwirft: Wer bin ich, was definiert mich, bin ich wirklich ein Individuum oder gar wahrhaftig lebendig?

Abwechseln wird dabei aus Creepys und Mauds Perspektiven berichtet.

Die Handlung ist genau wie der Raum zwischen den Fenstern nur ein Zwischenstück, ein seltsamer Nicht-Raum ohne wirklichen Beginn und der Roman endet mit der ersten Begegnung von Angesicht zu Angesicht, in dem beide aufeinander eingehen.

„Zwischen zwei Fenstern“ ist eine seltsame kleine Geschichte, die trotzdem den Leser nicht kaltlassen kann. Seelische Abgründe, die Unfähigkeiten von Eltern und ihre unverrückbaren Erwartungen werden genauso thematisiert wie psychische Erkrankungen und die „normalen“ Fragen, die sich Heranwachsende stellen.

 

 

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